Was ist eigentlich ein Angsthund?

Heute möchte ich auf den Begriff „Angsthund“ eingehen und dir meine ganz persönliche Meinung zu diesem Thema erläutern.

Im Internet und in der Literatur finden sich unzählige Definitionen zu diesem Thema. Da ich, wie bekannt, auch keine Tierärztin bin, werde ich auf detaillierte medizinische Hintergründe verzichten. Hier möchte ich ausschließlich auf Emmas Probleme eingehen und so schildern wie ich sie erlebe bzw. erlebt habe.

Unter einem Angsthund versteht man keinen Hund der sich vor einer bestimmten Situation fürchtet. Ein Angsthund hat deutlich größere Probleme. Ein Angsthund handelt „angstbestimmt“. Es laufen instinktive Reaktionen ab ohne sich besser zu fühlen. Der Hund hat keine instinktive Strategie welche dazu führt seine Angst zu mildern. Häufig reagiert der Hund panisch, mit Flucht oder Aggressionen. Emma war ausgeprägt auf Flucht programmiert. Zum Glück zeigt Emma überhaupt keine Aggressionen.

Als erstes möchte ich einige ganz typische Anzeichen und Körpersignale beschreiben:

Unterwerfung – sich mit dem Rücken auf den Boden legen

Emma hat dieses Verhalten zu Anfang bei jedem Hund und bei jedem Menschen gezeigt. Emma zeigt dieses Verhalten heute noch ab und an bei unbekannten Hunden die sie nicht kennt und einen dominanten Eindruck auf sie machen. Zum Glück passiert dies nur noch sehr selten.

Eingeklemmte Rute – die Rute wird bis unter den Bauch gezogen

Bei Emma war dieses Verhalten so ausgeprägt, dass sie beinahe in ihre Schwanzspitze hätte beißen können.

Gebeugte Körperhaltung – der Rücken wird Rund gemacht

Dieses Verhalten zeigt Emma sofort, wenn sie durch eine Situation verunsichert wird.

Angstgeweitete Augen – die Augen werden so weit aufgerissen, dass das weiße vom Auge (Sklera) zu sehen ist

Zu Anfang habe ich gedacht ich hätte einen Hund mit „Glubschaugen“….

Speicheln, Starkes Hecheln und Gähnen – vermehrte Speichelbildung

Bei Emma gab es Zeiten, wo das ganze Maul und zum Teil auch das Gesicht speichelbedeckt war. Noch heute speichelt Emma bei Aufregung deutlich stärker als andere Hunde.

Zittern – die Muskulatur zittert unkontrolliert. Meistens sind die Flanken betroffen, häufig der ganze Körper

Emmas Flanken zittern heute noch in extremen Stresssituationen. Jedoch kein Vergleich mehr zu der Welpen- und Junghundezeit. Damals vibrierte Emmas ganzer Körper.

Erhöhte Herzfrequenz – stark beschleunigter Herzschlag

In Stresssituation ist ein Angsthund nicht in der Lage zu fressen oder ein Leckerli anzunehmen. Außerdem schläft ein Angsthund sehr schlecht und ist häufig schwer zur Ruhe zu bringen. Emma plagten im Schlaf, fast regelmäßig, extreme Träume. Noch heute träumt Emma nach einer aufregenden Situation sehr ausgeprägt. Jedoch sind diese Träume heute nur noch kurz. Unsere erste Trainerin gab mir den Rat, Emma auf keinen Fall aufzuwecken! Ihr Unterbewusstsein verarbeitet in den Träumen die Vorkommnisse.

Wie du dir sicherlich vorstellen kannst, haben die beschriebenen körperlichen Symptome Auswirkungen auf den gesamten gesundheitlichen Zustand eines Hundes. Emma war z. B. im ersten Jahr sehr häufig erkältet. Durch den ständigen Stress hatte Emma ein geschwächtes Immunsystem. Um Emmas Immunsystem zu stabilisieren, führte unser Tierarzt eine mehrwöchige Therapie durch. Zu diesem Zeitpunkt war Emma 18 Monate.

Zusätzlich war Emmas Muskulatur häufig stark verspannt. Es ging so weit, dass Emma nicht mehr richtig laufen konnte und sich immer hinsetzte. In dieser Situation konnte nur noch der Tierarzt mit einem Muskelrelax helfen. In diesem Zusammenhang habe ich Tellington TTouch kennengelernt. Inzwischen habe ich einen Einsteigerkurs besucht. Auf die einzelnen „Touch – Points“ reagiert Emma sehr unterschiedlich. Heute beim Tierarzt hat ihr der „Ohr-Touch“ sehr gut getan.

Schon bei unserem ersten Tierarztbesuch hat mir unser Tierarzt gezeigt wie ich Emma heben bzw. halten soll. Ich werde versuchen dir diesen Griff zu beschreiben.

Stell dir vor dein Hund steht quer, mit dem Kopf nach rechts, vor dir. Nun greifst du mit dem linken Arm so unter den Po deines Hundes das er mit dem Po auf deinem Unterarm sitzen könnte. Mit der linken Hand umfasst du die linke Flanke deines Hundes. Mit dem rechten Arm greifst du zwischen die beiden Vorderläufe hindurch, sodass dein Hund auf deinem rechten Unterarm liegt. Nun kannst du deinen Hund anheben.

Dieser Griff hat drei Vorteile. Mit dem linken Arm stützt du die Wirbelsäule, sodass diese beim Heben nicht gedehnt wird. Außerdem kannst du mit der linken Hand auf der Flanke das unkontrollierte „Zittern“ der Muskulatur kontrollieren, mit der rechten Hand die Atmung und den Herzschlag.

Mit diesem Griff habe ich mir Emma ganz häufig auf den Schoß gesetzt und an meinen Körper gehalten. Der Körperkontakt und mein ruhiger Herzschlag sollten Emma Geborgenheit und Sicherheit signalisieren. Mit beiden Händen konnte ich spüren wie Emma sich langsam entspannen konnte. Das Zittern hörte auf, die Atmung und der Herzschlag verlangsamten sich.

Heute kommt Emma z.B. bei Gewitter, wenn ihr die Donnerschläge zu heftig werden, zu mir und will auf den Schoß. Auf meinem Schoß ist sie nun in der Lage sich sogar hinzulegen und zu entspannen. In Abhängigkeit der Stärke des Gewitters, dauert es mal länger, mal kürzer. Mit diesem Erfolg bin ich sehr zufrieden, auch wenn es Situationen gibt in denen es mich nervt. Aber Emmas Wohlbefinden liegt mir am Herzen.

Wahrscheinlich hast du einen Angsthund oder zumindest einen Hund der öfter unsicher reagiert. Zu diesem Thema gefällt mir folgendes Buch am besten:

Hab keine Angst mein Hund Ängste bei Hunden erkennen und abbauen
Von Rolf C. Franck und Madeleine Grauss

Dieses Buch wurde mir von unserer ersten Trainerin empfohlen und hat mir wirklich in vieler Hinsicht die Augen geöffnet und mir gezeigt meinen Hund besser zu verstehen.

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Bis bald
Deine Sabine

2 Gedanken zu „Was ist eigentlich ein Angsthund?

  1. Gero Sariyer

    Nicht böse sein,aber ich denke nicht,das man von einem 9 Wochen altem Welpen von einem “ echten “ Angsthund sprechen kann. Ich möchte Dir mal von Gero erzählen,ein echter Angsthund.
    Angst vor allem,Ampeln,Blättern, Wind, Fensterscheiben, Menschen, Straßen,Staßenschildern und so weiter, ich wüßte nicht vor was er keine Angst gehabt hätte, Panikattaken mitten beim Straße überqueren, versuchte nach rechts und links gleichzeitig zu entkommen und dabei am besten noch aus dem Halsband zu schlüpfen,alles gleichzeitig . 2 Jahre hat es gedauert bis ich das gröbste geschafft habe .Typisch ist es für einen Angsthund, so lange irgendwohin zu starren, daß wenn er keine Angst hat,er aber spätestens dann Angst bekommt. Hat er das meiste geschafft und ist fast sicher,kommen neue Sachen hinzu, bei Gero waren es dann plötzlich Kondensstreifen am Himmel,er lief Tagelang nur noch geduckt durch die Gegend und beobachtete den Himmel . Ich könnte Dir noch mehr bsp. nennen. Typisch ist auch ,ein echter Angsthund vergisst niemals, ein kleines Geräusch das ihn errinnert und die Angst ist wieder da,vielleicht nicht so ausgeprägt, aber doch da . also bitte ,ich wäre da mit dem Wort “ Angsthund “ bei einem Welpen nicht so voreilig.

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    1. Sabine Wickel Artikelautor

      Hallo Gero,

      ich bin nicht böse! Natürlich habe ich zu Beginn nicht gewußt das Emma ein Angsthund ist. Das hat sich erst in den folgenden Wochen herauskristalisiert. Zu dem damaligen Zeitpunkt habe ich nicht einmal gewusst was ein Angsthund ist. Dies habe ich erst von unseren Trainern und von unserem Tierarzt erfahren.

      Wenn ich Deine Zeilen lese, kommt es mir so vor als wenn Du von Emma erzählst. Ähnliche Erfahrungen habe ich mit Emma auch gemacht. Emma hatte vor Allem Angst außer vor Menschen. Es brauchte nur ein Blatt vom Baum fallen und sie war auf Flucht programmiert. Ich habe alles was mir möglich war und ich vorhersehen konnte, mit ihr trainiert. Sobald heute etwas Neues dazu kommt, trainiere ich es noch heute. Alles was Neu ist muss ich sie heranführen.

      Erst mit zwei Jahren haben wir die ersten größeren Erfolge erziehlen können. Emma ist jetzt 4 Jahre. Und grad vor ein paar Wochen, hat sie mit einemal Angst bekommen an einer Laterne vorbei zu gehen. Es gab für mich keinen ersichtlichen Grund. Sofort habe ich jedoch mit dem Targettraining – was beim Kondensstreifen leider nicht möglich ist – begonnen. Jetzt geht sie meistens ohne Probleme vorbei. Aber es passiert immer wieder, dass sie nach oben schaut und geduckt weiter läuft.

      Dem Geräuschproblem kann ich nur zustimmen. Geräusche sind ein echtes Problem. Ich habe viele Geräusche trainiert. Mit mäßigem Erfolg. Geräusche aus dem PC, Fernseher oder Radio, machen ihr gar nichts aus. Das unterscheidet sie ganz genau, von Anfang an. Heute versuche ich sie umzulenken. Das funktioniert aber nur, so lange sie noch nicht in ihrem Verhaltensmuster (Tunnel) ist.

      Seit einigen Wochen habe ich das Gefühl, dass Emma geräuschempfindlicher wird. Letztens habe ich nur die Milch aus dem Kühlschrank genommen, dabei ist mir die Kühlschranktür ein wenig aus der Hand gerutscht, sodass es ein ungewohntes Geräusch gegeben hat. Schwupps ist mein Hund verschreckt in den Flur gelaufen. In so einer Situation reagiere ich meistens wieder mit einer „Umlenkung“. Ganz beiläufig, ohne sie zu beachten, unternehme ich etwas was ihr Spaß macht, um sie so schnell wie möglich aus dieser Situation herauszuholen. Häufig gelingt es. Ist aber sehr Situationsabhängig.

      Bis heute werde ich von Trainern begleitet, die mir sehr hilfreich zur Seite stehen.

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